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Pressestimmen

SZ vom 2.11.2006

Schule trifft Kirche

Von Ulrike Körber

Dialog. 55 Meißner Gymnasiasten diskutieren mit Bischöfen über den Hunger in der Welt.

Als Neunjähriger saß er einmal einem Jungen gegenüber, der es nicht mehr schaffte, einen Löffel mit Mehlsuppe zum Mund zu heben. „So geschwächt vom Hunger war er“, schildert Bischof Joachim Reinelt vom katholischen Bistum Dresden-Meißen seine Erlebnisse während eines Flüchtlingszugs. Der Junge ist gestorben. Reinelt hat die Nachkriegs-Entbehrungen überlebt. Seitdem war für ihn Hunger immer mehr als eine Vokabel.

Die Schilderung des Bischofs saß tief bei den 55 Meißner Gymnasiasten, die sich gemeinsam mit Reinelt und Landesbischof Jochen Bohl von der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsen zur Auftaktveranstaltung der 8. Sächsischen Entwicklungspolitischen Bildungstage (Sebit) in der Evangelischen Akademie eingefunden hatten.

Unter dem Motto „Is(s) was?- Ernährung in der einen Welt“ wollten sie Antworten von den Kirchenvertretern zu den globalen Ernährungsfragen, wollten wissen, welcher Spielraum den Kirchen bleibt, sich in entwicklungspolitische Fragen einzumischen, ob Spenden auch da ankommen, wofür sie gedacht sind. Schockiert zeigten sich die Jungen und Mädchen angesichts der Tatsache, dass weltweit 852 Millionen Menschen an Hunger leiden, dagegen aber eine Milliarde Menschen in den westlichen Ländern übergewichtig sind.

Zwei Stunden diskutierten die Schüler mit den Bischöfen. „Was bleibt nach einem solchen Vormittag, wenn wir doch alle wissen, woran es krankt und was zu tun ist?“, fragt Philipp Auerbach vom BSZ. „Auch ich habe vor 30 Jahren so gefragt? Seither hat sich einiges getan. Wir brauchen einen langen Atem und es ist viel gewonnen, wenn ihr das erkannt habt“, antwortete Bohl. Mehr noch hat die Diskussion erreicht: Lukas Stempel und Johannes Schmidt vom Franziskaneum wollen eine Info-Veranstaltung zum Thema globale Ernährung organisieren.

Die Sebit ist eine Gemeinschaftsaktion von 50 Vereinen und Initiativen in Sachsen und dauert noch bis zum 22. November. 160 Veranstaltungen sind geplant.

Notiert

Bischöfe eröffnen Bildungstage in Meißen

Meißen. Die 8. Sächsischen Entwicklungspolitischen Bildungstage (Sebit) sind gestern in Meißen eröffnet worden. Zum Auftakt diskutierten Landesbischof Jochen Bohl von der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche und Bischof Joachim Reinelt vom katholischen Bistum Dresden-Meißen mit Gymnasiasten über globale Ernährungsfragen. Bis zum 22. November sind sachsenweit 160 Veranstaltungen mit 4 000 Teilnehmern geplant. (uk)

SZ vom 23.11.2006

Eine Weltreise einen Vormittag lang

Von Heiko Roch

Lateinamerikanisches Temperament durchströmte die Aula der Stolpener Mittelschule am Montagvormittag. Der Bolivianer Oscar Choque und der Peruaner Mario Garcia schmetterten den Ohrwurm "Guantanamera" leidenschaftlich auf ihren Gitarren. Spontan schwang Geographielehrerin Petra Laube ausgelassen ihre Hüften, während einige der fast 90 Schüler der sechsten und siebenten Klassen nach einem Crashkurs im Djembe-Trommeln rhythmisch zur Sache gingen.

Es war ein Festival der Kulturen, ermöglicht durch das Projekt "Karawane" des Ausländerrates Dresden. Im Rahmen der "Sächsischen Entwicklungspolitischen Bildungstage" (SEBIT) besuchten neun schon seit vielen Jahren in der Landeshauptstadt lebende "Ausländer" die Schule und bereicherten hier den Alltag auf außergewöhnliche Art und Weise. Finanziell unterstützt wurde die Veranstaltung von der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung. "Von eurer Burg kann man den Horizont sehen. Heute aber brauchen wir eine Weltkarte, um hinter diesen Horizont zu schauen", begrüßte Stefan Zinnow von der Landeszentrale Schüler und Lehrer.

Eine halbe Stunde später helle Aufregung im Kellergang, als der aus Indien stammende Ajay Sharma traditionelle Kleidung aus seinem Heimatland verteilt. Während die Mädchen sofort in die Gewänder schlüpfen, diskutieren die Jungen über das scharfe indische Essen. Schließlich bekommt Robert aus einem sechs Meter langen Stück Stoff noch einen Turban verpasst und fordert sofort einen Spiegel. Der Beifall der anderen beruhigt ihn dann aber.

Im ersten Stock versuchen derweil Leonie und ihre Freundinnen eine afrikanische Geburtstagsfeier nachzuspielen. Natürlich haben sie keine Ahnung, wie die Leute das dort machen. Birane Gueye aus Senegal erzählt es ihnen. "Es ist gut, dass alle Menschen auf der Erde anders feiern, sonst wäre es langweilig", sagt er zu den aufmerksamen Schülern. Er will ihnen den Reichtum seiner eigenen Kultur vermitteln. Sie einladen, "über den Tellerrand zu gucken", denn wenn es um Afrika geht, fallen den meisten nur Armut und Leid ein, sagt er.

Der 48-Jährige weiß um die Wichtigkeit solcher Begegnungen, damit Vorurteile abgebaut werden können, mit denen er immer wieder in seinem Alltag in Dresden zu kämpfen hat. "Schon die vielen misstrauischen und abwertenden Blicke in der Straßenbahn sprechen Bände", erzählt der gelernte Sozialarbeiter. Von den Beschimpfungen will er gar nicht erst anfangen.

Während Paul noch die erlernten chinesischen Kung-Fu-Griffe durch den Kopf gehen, geht an der Mittelschule ein Vormittag mit viel Neuem und Ungewohntem in fast brüderlicher Atmosphäre zu Ende. Dass solche besonderen Veranstaltungen zu einem gewissen Maße verpuffen, weiß Jane Grass, Koordinatorin der SEBIT. Doch das sei zweitrangig. Viel wichtiger dagegen die persönlichen Beziehungen: Fremde wurden zu Vertrauten, wenn auch nur für ein paar Stunden. Derartige Schlüsselerlebnisse können den Schülern bei zukünftigen Begegnungen mit ausländischen Mitbürgern helfen.

Marianne Berndt vom Ausländerrat Dresden rief das Projekt Karawane 1993 ins Leben. Und ihr ist klar, dass für eine erfolgreiche Arbeit auch die Lehrer gefordert sind, die an die erlebten Begegnungen anzuknüpfen sollen. Das ist auch Schulleiter Uwe-Jens Neubert ein Anliegen. Er hofft auf Wiederholung solcher Veranstaltungen.

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