Profil

Globales Lernen

Nicht nur TotalGlobal

sondern auch konkret und lokal

An den 7. Sächsischen Entwicklungspolitischen Bildungstagen (SEBIT) beteiligten sich wieder eine Vielzahl an unterschiedlichen Vereinen, Initiativen und Organisationen. Auch der Eine-Welt-Szene eher nicht so nahestehende Gruppen machten mit …

Am 21. Oktober 2005 versammelte sich im Andreas-Schubert-Bau eine bunte Mischung aus BildungsreferentInnen, WissenschaftlerInnen, StudentInnen und andere TeilnehmerInnen. In Kooperation mit der TU-Dresden, der Friedrich-Ebert-Stiftung, der TU-Umweltinitiative, cabana und weiteren engagierten sächsischen Eine-Welt-Gruppen wurden die siebente SEBIT unter dem Motto TotalGlobal eröffnet. Den Eröffnungsvortrag hielt Emanuel Matondo (Sprecher des Dritte-Welt-JournalistInnen-Netzwerkes Gründer der Angolanischen Antimilitaristischen Menschenrechtsinitiative). Er stellte Afrika aus einer leider in den westlichen Medien nicht alltäglichen Perspektive vor: Matondo berichtete nicht vom Kontinent des Hungers oder der Kriege, sondern von Widerständen der AfrikanerInnen gegen Ungerechtigkeit. Im Anschluss wurde über das Gesagte heftig diskutiert, z. B. über den Sinn und Unsinn von deutscher Entwicklungshilfe. In den darauffolgenden Workshops wurde das Ziel, WissenschaftlerInnen und VertreterInnen von Nichtregierungsorganisationen gemeinsam über globalrelevante Themen zusammenzubringen, erreicht. Die 24 ReferentInnen aus Eine-Welt-Inititiativen und interkulturellen Gruppen wie auch von der TU-Dresden und aus anderen Städten und Ländern, z. B. auch aus Nigeria gestalteten gemeinsam die parallel laufenden 14 Workshops zu Themen wie Biodiversität und Patente, MigrantInnen, Christlich-islamischer Dialog, Schuldenkrise der Entwicklungsländer, Wasser, Fairer Handel und Methoden der Politischen Bildung.

Diese Themenvielfalt und das Zusammenbringen unterschiedlicher Sichtweisen sollten sich auch in den folgenden drei Wochen fortsetzen.

In Bautzen z. B. profitierte die traditionelle Beat-Akademie des Jugendzentrums Steinhaus von ihren Gästen aus Kolumbien. Die Musik- und Jugendgruppe Viviendo y Sonando brachte Erfahrungen aus den Bereichen Rap, Percussion, Folklore aber auch aus ihrem Leben als Straßenkinder mit. Beim legendären Abschlusskonzert in einer Location in der Nähe von Bautzen konnten die Zuhörer eine super Atmosphäre zwischen Bautzner Jugendlichen, Profirapper DJ Mesia aus Berlin und der kolombianischen Band praktisch fühlen.

In Görlitz organisierte der tierra – Eine Welt e. V. eine Veranstaltungsreihe „Irgendwo dazwischen – Lebensgeschichten, Austausch zwischen den Welten“. In Großenhain fand eine intensive und gut besuchte MultiplikatorInnenweiterbildung zum Thema „Globales Lernen im Agenda 21-Prozess“ statt. Der Leipziger Eine Welt Verein beteiligte sich wieder an der inzwischen schon traditionellen Kinderrechtstagung. Der Verein „AG Alternativ Handeln“ Torgau organisierte eine Vielzahl an Veranstaltungen mit dem Aids-Truck von missio und und und.

Kooperationen mit Partnern, die nicht unmittelbar zu thematischen Nachbarn zählen, sind meistens befruchtend. Doch bergen sie oftmals auch ein höheres Risiko in sich. Bei der Kooperation mit bisher unbekannten Partnern muss mit Kommunikationsschwierigkeiten, Anfangsfehlern und Unvorhersehbarem gerechnet werden. Deswegen an dieser Stelle mein ganz besonderer Dank an alle, die die Chance neue KooperationspartnerInnen zu gewinnen, wahrgenommen haben.

Andererseits braucht die Bewegung Kontinuität. Und auch diese alltäglichen nicht so spektakulären Veranstaltungen – besonders an Schulen, mit SchülerInnen, die vielleicht keine Lust haben, sind wichtig und notwendig. Dazu braucht es besonders Kraft, Ausdauer und positives Denken. Und obwohl die BildungsreferentInnen der Eine-Welt-Gruppen hier meistens wenig Anerkennung bekommen, haben manche Gruppen gerade in diesem Bereich Erstaunliches geleistet. So waren z. B. der Eine Welt Verein Aue und seine Außenstelle Eibenstock zu 29 Veranstaltungen unterwegs.

Insgesamt haben sich ca. 70 Initiativen, Gruppen und Vereine an den Sächsischen Entwicklungspolitischen Bildungstage beteiligt. Manche boten ihre Themen im SEBIT-Katalog an, wieder andere wurden selbst aktiv und organisierten Veranstaltungen „außer der Reihe“, wie z. B. das Stadtjugendpfarramt Dresden, der CVJM, der arche noVa und dem aha e. V. Gemeinsam entwickelten sie die Idee eines Fairen Nachtfußballturniers mit Jugendgottesdienst zum Thema Gerechtigkeit unter dem provozierenden Motto: „Mein Gott ist doch blöd“.

Auch die Teilnehmerzahl an den entwicklungspolitischen Bildungsveranstaltungen sind im Vergleich zu den vergangenen Jahren gestiegen. Ca. 4 000 Erwachsene, Jugendliche und Kinder ließen sich zu den unterschiedlichsten Eine-Welt-Themen einladen. Dieses Ergebnis kam vor allem aufgrund der aktiven Beteiligung vieler Vereine und durch die kritische und kontinuierliche Begleitung der Organisation der SEBIT durch den Vorbereitungskreis zustande.

Also alles in allem ein Erfolg? Im Prinzip schon. Dennoch bleiben Fragen und Wünsche offen. So war die Presseresonanz gerade in den größeren Städten in Sachsen eher mager und obwohl die Sächsischen Entwicklungspolitischen Bildungstage schon zum siebenten Mal stattfanden, weiß kaum ein Außenstehender etwas mit diesem Begriff anzufangen.

Wie weiter, was lief gut, was muss anders, was könnte besser gemacht werden, darüber wollen wir uns am 4. Februar ab 10:00 Uhr auf der Kreuzstraße 7 in Dresden austauschen. Wie immer sind alle herzlich willkommen, ihre Ideen und Anregungen einzubringen.            (as)

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